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Panama P50+ - Starker Geruch - Messdaten und Fragen an die Community

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(@karabiner)
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Beigetreten: Vor 3 Wochen

Moin zusammen,

meine Familie und ich haben unseren Panama Peak 50+ (Ford-Transit-Basis) seit Mai 2026 in Nutzung. Das Fahrzeug wurde im April 2026 in Spanien ausgebaut. Bereits kurz nach der ersten Nutzung sind uns ein intensiver chemisch-säuerlicher Geruch im Innenraum aufgefallen. Da ich dem Ganzen systematisch auf den Grund gehen wollte, habe ich über 18 Tage eine kontinuierliche Luftqualitätsmessung durchgeführt und diese anschließend mit einer zertifizierten Dräger-Röhrchen-Messung abgesichert.

Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht besorgniserregend – und ich frage mich, ob andere Besitzer ähnlicher Fahrzeuge vergleichbare Erfahrungen gemacht haben.


Messergebnisse

Dauermessung – Carefor CF-60 PP SMART

Über 18 Messtage wurden im 1-Minuten-Takt 16.619 Messungen erfasst. Das Gerät misst Formaldehyd (HCHO), TVOC (flüchtige organische Verbindungen gesamt), CO₂, CO, Partikel und Temperatur simultan.

Parameter Mittelwert Maximum Einheit
Formaldehyd (HCHO) 0,069 2,47 mg/m³
TVOC 5,70 19,99 mg/m³
Innenraumtemperatur 23,6 53,4 °C

Grenzwertüberschreitungen im Überblick

Bezugsgröße Grenzwert Überschreitungshäufigkeit
HCHO – UBA Vorsorgerichtwert I 0,050 mg/m³ 46,7 % aller Messungen (7.761×)
HCHO – EU-Fahrzeuginnenraum-GW (ab 2027) 0,063 mg/m³ 41,5 % (6.897×)
HCHO – UBA Gefahrenrichtwert II 0,100 mg/m³ 19,4 % (3.232×)
TVOC – UBA Hygienischer Leitwert 0,200 mg/m³ 75,2 % (12.494×)
TVOC – UBA Gefahrenrichtwert II 3,000 mg/m³ 45,5 % (7.565×)

Die Belastung ist nicht auf einzelne Ausreißer beschränkt. An 10 von 17 Messtagen überschreitet allein der Tagesdurchschnitt den UBA-Vorsorgewert für Formaldehyd. An den Hochbelastungstagen 20.–22. und 26.–27. Mai sowie 31. Mai erreicht der TVOC-Tagesmittelwert das 20- bis 75-Fache des Hygieneleitwerts.

Auffällig: Die Belastung korreliert deutlich mit der Innenraumtemperatur – bei höherer Temperatur steigen sowohl HCHO als auch TVOC stark an.


Unabhängige Bestätigung: Dräger Accuro / HCHO 0,2/a (2. Juni 2026)

Zur Absicherung der elektronischen Messung habe ich das zertifizierte Dräger Accuro-Handpumpengerät mit Dräger-Prüfröhrchen HCHO 0,2/a (Art.-Nr. 6733081, n=20 Hübe, Messbereich 0,2–5 ppm) eingesetzt. Das Dräger-System ist nach ISO 9001 zertifiziert und weltweit als Referenzverfahren für arbeitsschutzrechtliche Messungen anerkannt.

Ergebnis an zwei unabhängigen Messstellen im geschlossenen Fahrzeuginnenraum:

Messstelle Abgelesener Wert Umgerechnet
Stelle 1 ca. 1,5 ppm HCHO ≈ 1,84 mg/m³
Stelle 2 ca. 1,5 ppm HCHO ≈ 1,84 mg/m³
Referenz (Frischluft) 0 ppm

Zum Vergleich: Der UBA-Gefahrenrichtwert für Formaldehyd liegt bei 0,10 mg/m³. Der gemessene Dräger-Wert von 1,84 mg/m³ entspricht dem 18-Fachen dieses Werts – und dem 37-Fachen des Vorsorgerichtwerts.

Beide Messverfahren (elektronische Dauermessung und Dräger-Röhrchen) bestätigen sich gegenseitig und schließen Messfehler als Erklärung aus.

Da die VOCs chemisch gesehen relativ ähnlich sind, können auch Querkontaminationen wie Styrol oder Benzol einen Teil der Messung erzeugen. Letztlich ist mir dies egal, da Benzol eng in Verdacht steht Leukämie zu erzeugen und Styrol Nervenreizungen hervorruft. 

image

Was ich bisher unternommen habe

Ich habe dem Händler einer ausführliche Mängelanzeige zukommen lassen. Diese beinhaltet sämtliche Messergebnisse und die rechtlichen Erläuterungen. 

Um die Daten noch einmal unabhängig prüfen zu lassen, werde ich bei dem Prüfinstitut der Uni Bremen ein Schadstoffuntersuchung in Auftrag geben. Diese kostet mich zwar 1000,- Euro, aber damit habe ich rechtlich etwas in der Hand. 

Meine Fragen an die Community

Ich würde gerne wissen, ob andere Halter von Reisemobilen, Campervans oder vergleichbaren Fahrzeugen ähnliche Erfahrungen gemacht haben:

  1. Habt ihr einen vergleichbaren chemischen Geruch in eurem Fahrzeug bemerkt – insbesondere bei Wärme oder nach längerem Stehen in der Sonne?
  2. Hat jemand Messungen mit HCHO- oder VOC-Sensoren durchgeführt? Was waren eure Werte?
  3. Gesundheitliche Symptome: Kopfschmerzen, Übelkeit oder gereizte Augen nach Übernachtungen im Fahrzeug?
  4. Hat jemand das Fahrzeug bereits beim Hersteller oder Händler reklamiert – und wenn ja, welche Reaktion habt ihr bekommen?

 

Ich freue mich über jede Rückmeldung, Messdaten und Erfahrungsberichte.

 

 

 

Aktueller Fall bei VW

Das Schadstoffproblem in Freizeitfahrzeugen ist kein Einzelfall. Aktuell ist folgendes bekannt:

Klagen gegen VW (Grand California / Crafter mit GFK-Hochdach):
Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer hat im Mai 2026 die ersten Klagen gegen Volkswagen wegen vergleichbarer Schadstoffprobleme eingereicht. Gemessene Werte u.a.: Benzol bis 159 µg/m³ (UBA-Leitwert: 4,5 µg/m³), Styrol bis 4.536 µg/m³, Formaldehyd bis 225 µg/m³. Die Klagen stützen sich auf § 826 BGB (vorsätzliche sittenwidrige Schädigung) und das Produktsicherheitsgesetz. (Quelle: Presseportal, PM 105254/6281084, 25.05.2026)

EU-Grenzwert ab August 2027:
Die EU hat ab August 2027 für Fahrzeuginnenräume einen verbindlichen Formaldehyd-Grenzwert von 63 µg/m³ (= 0,063 mg/m³)festgelegt. Leider für mich zu spät 🙁